Nachhaltigkeit und Zukunft

Graphic Recording: Johanna Benz, johannabenz.de
Graphic Recording: Johanna Benz, johannabenz.de
Graphic Recording: Johanna Benz, johannabenz.de
Graphic Recording: Johanna Benz, johannabenz.de

360°

Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft

Migration hat die Gesellschaft in Deutschland in der Vergangenheit verändert und wird sie auch in Zukunft verändern. Deutschland ist ein Einwanderungsland und besonders Städte sind geprägt durch gesellschaftliche Vielfalt. Viele Institutionen haben begonnen, die neue Stadtgesellschaft mitzugestalten, jedoch spiegelt sich die kulturelle Diversität der Städte in den Programmangeboten, im Personal und im Publikum von Kultureinrichtungen noch nicht wider. Weder in Entscheidungspositionen noch im Publikum entspricht der Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte ihrem Anteil an der Bevölkerung.

Mit 360° - Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft unterstützt die Kulturstiftung des Bundes Institutionen aus den Sparten Kunst, Musik, Darstellende Künste, Literatur, Architektur, Neue Medien und verwandte Formen sowie spartenübergreifende Institutionen und kunst- und kulturhistorische Museen, die sich in ihrem Feld mit Fragen der Gegenwart befassen, die gesamte Gesellschaft in den Blick zu nehmen: Einwanderung und kulturelle Vielfalt sollen als ebenso chancenreiches wie kontroverses Zukunftsthema aktiv in das eigene Haus und in die Stadtgesellschaft getragen und strukturelle Ausschlüsse im Kulturbetrieb vermindert werden. Der Fonds soll eine große Bandbreite von Ansatzpunkten, Strategien und Methoden fördern, die in exemplarischer Weise aufzeigen, wie Institutionen - thematisch und personell - ihr Potenzial zur Mitgestaltung der neuen Stadtgesellschaft wirksam entfalten können.

Infotour 360°


Als Informations- und Beratungsangebot für interessierte Antragsteller/innen ging der Fonds 360° im Februar und März 2017 auf Tour nach München, Köln, Dresden, Hamburg und Berlin.

Interessierte Institutionen konnten sich über Antragsmöglichkeiten informieren und in Vorträgen und im Gespräch mehr zu den Themen Diversität in Kulturinstitutionen und Change-Management erfahren.

Eine filmische Dokumentation der Vorträge der Infotour stellen wir Ihnen in Kürze an dieser Stelle zur Verfügung. 

Was wird im Fonds gefördert?

Gefördert wird die diversitätsorientierte Öffnung von Kultureinrichtungen in den Bereichen Programmangebot, Publikum und Personal. Hierfür stellt die Kulturstiftung des Bundes im Rahmen des 360° - Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft Mittel für eine Personalstelle in der Kultureinrichtung (den/die sogenannte/n Agenten/in) sowie zusätzlich Projektmittel für unterstützende Aktivitäten und Formate bereit. Die Projektmittel der Kulturstiftung des Bundes müssen durch zusätzliche Mittel von der Kulturinstitution kofinanziert werden. Vorhaben die ausschließlich auf die Vermittlung von bestehenden Themen und Inhalten abzielen werden nicht gefördert.

 

Bewerbung

Die Ausschreibung erfolgt in zwei Runden in den Jahren 2017 und 2018. Die Kultureinrichtungen bewerben sich mit einer ausführlichen Darstellung ihrer Ausgangssituation in der Stadt, ihrer Motivation und den Zielen sowie ihrer geplanten Arbeit mit dem/der Agent/in. Für den Antrag ist ausschließlich das ab Dezember 2016 auf der Website der Kulturstiftung des Bundes bereitgestellte Onlineformular zu verwenden.
Die Auswahl trifft der Vorstand der Kulturstiftung des Bundes auf der Grundlage von Empfehlungen durch eine unabhängige Jury. Im Falle einer positiven Vorauswahl durch die Jury ist die persönliche Präsentation des eingereichten Antrages durch die Leitung der antragstellenden Institution erforderlich.

 

Agenten

Gemeinsam mit der Institution soll der/die Agent/in über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren Vorschläge und Maßnahmen erarbeiten, wie sich einerseits die Institutionen selbst ändern und diversifizieren können und wie sie andererseits ihren Beitrag zu einer selbstbewussten, Einwanderern gegenüber offenen Gesellschaft so gestalten können, dass das gesamte urbane Umfeld – die Stadtgesellschaft – davon profitiert. Die Agenten sind Personen mit Diversitätskompetenz, Erfahrung im Zusammenwirken von Kultureinrichtungen mit Akteuren und Akteurinnen aus Einwandererfamilien und relevanten Sprachkenntnissen. Aufgabe der Agenten ist, den diversitätsorientierten Veränderungsprozess der Kultureinrichtung zu konzipieren und zu steuern.

Jury

Die Mitglieder der Jury sind:

Julia Hagenberg, Leiterin der Abteilung Bildung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, dort u.a. für Programme mit Geflüchteten und die Kooperation mit internationalen Willkommensklassen zuständig.

Prof. Dr. Claudia Lux, Honorarprofessorin am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin und „Project Director“ der Nationalbibliothek Katarmit Sitz in Doha. 

Jürgen Maier, Geschäftsführer am Maxim Gorki Theater Berlin

Jagoda Marinić, Gründung und Leitung des Interkulturellen Zentrums, mit dem die Stadt Heidelberg das zivilgesellschaftliche Engagement lokaler Migrantenselbstorganisationen stärkt.

Fatema Mian, Fachredakteurin für Integrationspolitik, Migration und kulturelle Vielfalt für ARD und Bayerischer Rundfunk, unter anderem zuständig für das interkulturelle TV-Magazin »puzzle«.

Miriam Tscholl, Leitung der Bürgerbühne am Staatsschauspiel Dresden, wo sie mit arabischsprachigen Dresdnern zuletzt die Produktion »Morgenland« inszenierte. Initiatorin des „Montagscafés“ als offenen Treffpunkt von wöchentlich über 150 Geflüchteten und Dresdnern.  

Akademie

Eine Akademie der Kulturstiftung des Bundes begleitet die Institutionen und Agenten während der gesamten Laufzeit des Programms. In zweimal jährlich stattfindenden Akademieveranstaltungen werden den Agenten und den Institutionen Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und zur Weiterqualifikation geboten. Insbesondere soll die Akademie durch Dokumentation und Auswertung die Transferierbarkeit der als Modelle verstandenen institutionellen Prozesse überprüfen und möglichst auch gewährleisten.