Akher ayam el madina | In the Last Days of the City, EGY/DEU/GBR/ARE 2016, Regie: Tamer El Said, Khalid Abdalla, Berlinale 2016 © Zero Production
Filmstill: "Time was Endless" von Fábio Baldo & Sérgio Andrade, Brasilien / Deutschland 2016. Panorama Spezial, Berlinale 2016
World Cinema Fund, E-Postkarte WCF-On-Demand
Filmstill "La teta asustada - Eine Perle Ewigkeit", gefördert im World Cinema Fund, Regie: Claudia Llosa

World Cinema Fund

Förderung internationaler Kooperationen der Filmproduktion und -distribution

Der World Cinema Fund (WCF), im Oktober 2004 als Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes und der Berlinale gegründet, hat sich umgehend als eine der führenden Institutionen im Bereich der internationalen Filmförderung anspruchsvoller Produktionen etabliert.
Der WCF bietet Produktions- und Verleihförderung von Filmen, welche die Kinolandschaft in Deutschland bereichern: Filme, die mit einer ungewöhnlichen Ästhetik überraschen, die starke Geschichten erzählen und ein authentisches Bild ihrer kulturellen Herkunft vermitteln. Schwerpunktregionen der Förderung sind Afrika, Lateinamerika und Karibik, der Mittlere Osten, Zentral- und Südostasien, der Kaukasus und die Länder Mongolei, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka. Der World Cinema Fund hat ein jährliches Budget von ca. 350.000 Euro und fördert die Produktion und den Verleih von Spielfilmen und abendfüllenden Dokumentarfilmen.

Antragsberechtigt sind Produktionsfirmen mit Regisseuren aus den genannten Regionen sowie deutsche Produktionsfirmen, die eine Zusammenarbeit mit einem Regisseur aus den genannten Regionen nachweisen können. Förderberechtigt sind nur Produktionsfirmen mit Sitz in Deutschland, d.h. im Falle der Antragstellung von ausländischen Produzenten muss eine Kooperation mit einem deutschen Partner nachgewiesen werden. Dies kann jedoch auch nach Antragstellung erfolgen.

Produktionsförderung:

Höchstfördersumme: 80.000 Euro pro Projekt.
Die Gesamtherstellungskosten der zu fördernden Projekte sollte zwischen 200.000 und 1.000.000 Euro liegen.
Der Förderbetrag soll für die Produktion in den oben genannten Regionen ausgegeben werden.

Verleihförderung:

Deutsche Verleihunternehmen können Verleihförderung in Höhe von maximal 10.000 Euro für Filme aus den oben genannten Regionen beantragen.

WCF Europe

Im Jahr 2015 hat der World Cinema Fund seine Förderung um das Sonderprogramm WCF Europe erweitert, eine Unterstützung des Creative Europe MEDIA-Programms der europäischen Kommission. WCF Europe wird zunächst 2015 und 2016 zusätzliche Koproduktionen zwischen europäischen Produzenten und Regisseuren und Produzenten aus den WCF-Regionen und -Ländern fördern. Antragsberechtigt sind sowohl europäische Produzenten aus den MEDIA Subprogramm-Ländern als auch Produktionsfirmen aus WCF Europe-Regionen (WCF-Regionen und -Länder sowie Ukraine, Weißrussland und Moldawien), die bereits eine Zusammenarbeit mit einem europäischen Partner nachweisen können. Außerdem wird es eine Verleihförderung geben.

Zahlreiche bis heute realisierte Filme des WCF erhielten Auszeichnungen der wichtigsten internationalen Filmfestivals und herausragende Filmpreise. Eine Förderung durch den WCF gilt in der Filmbranche heute als "Gütesiegel" für künstlerisch anspruchsvolles und gesellschaftlich ambitioniertes Autorenkino.

Auswahl geförderter Filme und Auszeichnungen:


Uncle Boonmee who can Recall his Past Lives
von Apichatpong Weerasethakul, Thailand:
Onkel Boonmee leidet an Nierenversagen. Als eifriger Yogi ist er sich seines Körpers sehr bewusst. Er weiß, dass er in 48 Stunden sterben wird. Er ruft seine entfernten Verwandten an, damit sie ihn zum Sterben aus dem Krankenhaus nach Hause holen. Dort werden sie vom Geist seiner verstorbenen Frau begrüßt, der erschienen ist, um sich um ihn zu kümmern. Auch sein verlorener Sohn kehrt aus dem Dschungel zurück, als eine Art Affe. In der ersten Nacht spricht Boonmee über seine letzten sechs Leben, an die er sich erinnert.

Preise: Internationale Filmfestspiele von Cannes 2010, Goldene Palme


Ajami von Scandar Copti und Yaron Shani, Israel/Palästina:
dt. Ko-Produktion: Twenty Twenty Vision, Spielfilm
Schauplatz der Ereignisse sind die Städte Jaffa und Tel Aviv, die zwar einer einzigen urbanen Landschaft angehören, aber von einer unsichtbaren Mauer geteilt sind. Jaffa wird hauptsächlich von arabischen israelischen Staastbürgern bewohnt; in Tel Aviv, der modernen pulsierenden Stadt, leben fast nur israelische Juden. Der Film schildert den beschwerlichen Alltag der Bewohner dieser Region und ihre privaten Konflikte, die aufgrund der gesellschaftlichen Umstände entstehen.

Preise (Auswahl): Internationale Filmfestspiele von Cannes 2009, Quinzaine des Réalisateurs, Goldene Kamera, Oscar-Nominierung 2010


La Teta Asustada (Eine Perle Ewigkeit bzw. The Milk of Sorrow) von Claudia Llosa, Peru:
dt. Ko-Produktion: The Match Factory, Spielfilm
Fausta leidet unter der "ängstlichen Brust", einer sonderbaren Krankheit, die Mütter auf ihre Töchter übertragen, die während der Schwangerschaft misshandelt oder vergewaltigt wurden. Die Kinder dieser Frauen nehmen mit der Muttermilch eine schreckliche atavistische Angst auf. Bei Fausta zeigt sich die Krankheit in Hämorrhoiden und plötzlichen Blutungen als Reaktion auf Krisen- oder Stresssituationen. Fausta hat zudem ein Geheimnis, das sie nicht preisgeben will, bis schließlich der Tod ihrer Mutter eine Serie von Ereignissen in Gang setzt, die Faustas Leben für immer verändern.

Preise (Auswahl): Goldener Bär, Internationale Filmfestspiele Berlin 2009, Wettbewerb, Best Ibero-American Picture, Guadalajara International Film Festival 2009, Oscar-Nominierung 2010


Paradise Now von Hany-Abu Assad, Niederlande/Frankreich/Deutschland:
dt. Ko-Produktion: Razor Film, Spielfilm
Im Mittelpunkt stehen zwei junge palästinensische Männer: Khaled und Said sind seit ihrer Kindheit gute Freunde. Nun sind sie dazu bestimmt worden, sich als Selbstmordattentäter in Tel Aviv in die Luft zu sprengen. Die voraussichtlich letzte Nacht ihres Lebens dürfen sie noch einmal im Kreise ihrer Familien verbringen. Selbstverständlich aber muss ihr Vorhaben streng geheim bleiben, so dass ihnen ein wirklicher Abschied von ihren Angehörigen verwehrt ist. Am nächsten Morgen werden sie an die Grenze gebracht. Die Bomben sind unsichtbar an ihren Körpern befestigt. Doch dann verläuft die Operation nicht so, wie sie geplant war: Die beiden Freunde verlieren sich aus den Augen. Voneinander getrennt und ganz auf sich allein gestellt, müssen sie ihrem Schicksal entgegentreten und für ihre Überzeugungen einstehen.

Preise (Auswahl): Winner of Golden Globe - Best Foreign Language Film (2006); Winner of Independent Spirit Award - Best Foreign Film, Santa Monica (2006); Winner of Vancouver Film Cirtics Circle Award - Best Foreign Film (2006), Verkauf in über 60 Länder


Silent Light von Carlos Reygadas, Mexiko:
dt. Ko-Produktion: The Match Factory, Köln, Spielfilm
Stilles Licht spielt in einer Gemeinde der mexikanischen Mennoniten, die im Norden des Landes leben und immer noch Plattdeutsch sprechen. Gegen die Gesetzte Gottes und der Tradition verliebt sich der verheiratete Johan in eine andere Frau. In einer poetischen Geschichte schildert der Regisseur die unbändige Kraft der Liebe.

Preise (Auswahl): Winner of the Jury Prize, Cannes International Film Festival (2007); Best Film, Best Director, International Critic Award, Best Photography, Lima Latino American Film Festival (2007); Winner of FIPRESCI Award, Rio de Janeiro International Film Festival (2007); Winner of the Golden Hugo, Chicago International Film Festival (2007); Nominated for an Academy Award for the Best Foreign Language Film (2007)


Hamaca Paraguaya von Paz Encina:
dt. Ko-Produktion: Black Forest Films, Berlin, Spielfilm
In einem abgelegenen Ort Paraguays sitzt ein alterndes Bauernehepaar in der lastenden Hitze und wartet auf die Rückkehr ihres Sohnes aus dem Chaco Krieg. Candida und Ramon warten auch darauf, dass es endlich regnet, dass die Hitze ein Ende hat, dass der Wind kommt, sie warten auf den Wetterumschwung, der schon so lange angekündigt wird. Sie warten darauf, dass der Hund aufhört zu bellen und sie warten auf bessere Zeiten. Aber die Hitze bleibt, der Hund bellt weiter, es regnet nicht und der Wind kommt auch nicht. Gefangen in einem ewig dauernden Moment zwischen einem "Vorher" und einem "Nachher" gehen die beiden jedoch ganz unterschiedlich mit diesem Warten um: Ramon ist optimistisch, Candida glaubt, dass ihr Sohn längst tot ist.

Preise: Winner of FIPRESCI Award, Un Certain Regard, Cannes International Film Festival (2006); Winner of Critics Award, São Paulo International Film Festival (2006); Special Grand Jury Mention, Miami International Film Festival (2007)