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Jedem Kind ein Instrument

Programm zur Förderung der kulturellen Bildung - der Beitrag der Kulturstiftung des Bundes zur europäischen Kulturhauptstadt 2010

Im Jahr 2010 waren Essen und das Ruhrgebiet zusammen mit Pécs und Istanbul Kulturhauptstadt Europas. Die Kulturstiftung des Bundes beteiligte sich mit einem großen Programm zur Förderung der kulturellen Bildung am Programm der deutschen Kulturhauptstadt Europas. Sie hatte sich bewusst für ein Kulturstadt-Programm entschieden, das sich daran orientiert, was die Kulturstadt-Region in Zukunft braucht, welchen Beitrag die Kunst dabei leisten kann und wie das Programm Themen von europäischem Maßstab berücksichtigen kann. Kulturelle Bildung gehört zu den Bereichen, in denen europaweit Initiativen entwickelt werden müssen, um die Zukunftschancen der nachfolgenden Generation zu erhöhen und ihr gemeinschaftliche Perspektiven zu eröffnen.

Vor diesem Hintergrund entstand in Gesprächen mit Künstlern und Kulturpolitikern, Soziologen und Intendanten, Lehrern und Amtsleitern, Sozialarbeitern und Bürgermeistern im Ruhrgebiet die Idee eines Programmes, das die Kultur in der Region auf breiter Ebene, zukunftsweisend und nachhaltig fördert:

Alle Grundschulkinder im Ruhrgebiet sollten die Möglichkeit bekommen, ein bis zwei Mal wöchentlich qualifizierten Unterricht mit einem ihnen persönlich zur Verfügung stehenden Instrument ihrer Wahl zu erhalten.

Die Kulturstiftung des Bundes entwickelte damit eine in Bochum entstandene Idee weiter und baute sie zu einem flächendeckenden Angebot an alle Grundschüler/innen im Ruhrgebiet aus. Sie verband Kompetenzen der Musikschulen mit Ressourcen an Grundschulen, um der kulturellen Bildung einen nachhaltigen Anschub zu geben. Die Stiftung setzte damit ein weithin sichtbares Zeichen, wie kulturelle Bildung als Grundversorgung verwirklicht werden kann.

Das Programm wurde in einer gemeinsamen Kraftanstrengung der Kulturstiftung des Bundes, des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kommunen und der Zukunftsstiftung Bildung in der GLS Treuhand umgesetzt. Das Vorhaben wurde durch Spenden aus der Wirtschaft und von Privatpersonen unterstützt. Seit 2011 fördert das Land Nordrhein-Westfalen das Programm eigenständig mit jährlich 8,1 Mio. Euro. 

 


 


Das Konzept

Jedem Kind ein Instrument versteht sich als Ergänzung zum regulären Musikunterricht und arbeitet mit den vor Ort bestehenden Musikschulen zusammen, um einen qualifizierten Instrumentalunterricht zu gewährleisten. Bereits bei der Einschulung ihrer Kinder werden die Eltern über das Programm informiert und erfahren, dass die Instrumente allen Kindern im Rahmen des Programms kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Schüler/innen erhalten die Instrumente als Leihgabe und sollen sie selbstverständlich zum Üben mit nach Hause nehmen können.

Für die Kinder der ersten Klasse steht die spielerische Heranführung an Rhythmus und Notation sowie das Kennenlernen verschiedener Instrumente im Mittelpunkt der Jedem Kind ein Instrument-Stunden. Durch das gemeinsame Unterrichten von einem Tandem aus Grundschullehrer/innen und Musikschullehrer/innen ist eine intensive pädagogische Betreuung möglich. Genauso wichtig war der Kulturstiftung des Bundes aber die Gewährleistung einer professionellen Instrumentalausbildung.

Ab der zweiten Klasse startet der Instrumentalunterricht in Kleingruppen für 4 bis 6 Kinder pro Lehrer. Jedes Kind darf sich sein Instrument aussuchen. Streicher werden in einer Gruppe gemeinsam unterrichtet, ebenso Holz- und Blechbläser. Die Kinder erleben so bereits in den Unterrichtsstunden den charakteristischen Ensembleklang und erlernen früh das gemeinsame Musizieren. Ab dieser Stufe unterrichten die Musikschullehrer alleine.

Ab der dritten Klasse kommt zum Instrumentalunterricht das Ensemblespiel im Kinderorchester hinzu. Jahrgangsübergreifend üben die Kinder einmal wöchentlich das Zusammenspiel als Schulorchester. Dass es hierbei neben der musikalischen Erfahrung auch besonders um die sozialen Aspekte geht, ist offensichtlich. Dazu gehört auch der gemeinsame Auftritt als Orchester: Am Ende eines jeden Schuljahres steht das große Abschlusskonzert in der Philharmonie oder dem Konzerthaus. So lernen die Kinder nicht nur den backstage-Bereich der Konzerthäuser kennen, sondern erleben auch Lampenfieber, Scheinwerferlicht und Applaus.
 


 

 


Der kulturpolitische Hintergrund

Vielfach wurde die Bedeutung einer frühen musikalischen Erziehung für die Entwicklung von Kindern bereits betont, unablässig wird über die veralteten Unterrichtsmethoden in den Schulen geklagt und ebenso problematisch ist eine integrative Förderung der Kinder über soziale Grenzen hinweg. Von diesem Programm erwarteten die Initiatoren neue Impulse für die ästhetische Erziehung auch über den musikalischen Bereich hinaus. Bei der Pflege des kulturellen Erbes kann es nicht nur darum gehen, die Bewahrung und Sicherung materieller Güter zu gewährleisten, sondern es müssen Erlebnisse geschaffen und Kompetenzen ausgebildet werden, wenn Interesse und Begeisterung für die Kultur geweckt werden sollen.

Die Kulturstiftung des Bundes hoffte auf eine Ausstrahlung dieses Programms auf das gesamte Bundesgebiet. Am Beispiel der Ruhrgebietsregion sollte anlässlich der deutschen Kulturhauptstadt 2010 praktisch vorgeführt werden, wie sich ästhetische Erziehung, die wichtigste Ressource für die Weitergabe des kulturellen Erbes und die Stärkung des kulturellen Engagements, systematisch erweitern und intensivieren ließe.

Die Jugendkulturstudie 2005 hat gezeigt, dass bei Menschen zwischen 14 und 25 Jahren zwar durchaus Interesse an künstlerischer Betätigung und dem Besuch von Kulturveranstaltungen besteht. Allerdings wurde auch ein deutliches Gefälle zwischen Kindern und Jugendlichen aus kulturaffinen Elternhäusern und bildungsfernen Schichten festgestellt. 17% aller Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren besuchten noch nie eine Theateraufführung, ein Museum oder ein Konzert. Das Programm Jedem Kind ein Instrument wollte nicht nur diesem Mangel, der in einer Region mit großem Migrantenanteil noch höher ist, entgegenwirken. Mit den Schwierigkeiten, junge Menschen kulturell zu integrieren, steht das Ruhrgebiet bekanntlich nicht allein.

Insofern weist das Programm über diese Region hinaus und könnte auch zu einem Modellfall für weitere Kulturhauptstädte Europas werden. Je länger dieses bereits 1985 ins Leben gerufene EU-Programm läuft, desto größer ist die Einsicht geworden, dass dieser Geldströme bewegende Titel für nachhaltige Maßnahmen genutzt werden muss. Dabei erfährt der Bereich der kulturellen Bildung nicht zuletzt im Gefolge der PISA-Studien eine erhöhte Aufmerksamkeit. In Deutschland herrscht hier ein Nachholbedarf, der in auffälliger Diskrepanz zum Reichtum an Kulturinstitutionen steht.

Die Kulturstiftung des Bundes stellte in den Jahren 2007 bis Ende des Schuljahres 2010/11 bis zu 10 Mio. Euro für das Programm "Jedem Kind ein Instrument" zur Verfügung.

"Jedem Kind ein Instrument“ ist ein Programm des Landes NRW und der Kommunen im Ruhrgebiet. Es wurde als Beitrag für die Kulturhauptstadt 2010 von der Kulturstiftung des Bundes, der Zukunftsstiftung Bildung in der GLS Treuhand e.V. und dem Land NRW initiiert. Bundespräsident Christian Wulff unterstützt das Programm als Schirmherr.


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