Fonds TURN

Hajusom, Paradise Mastaz / 2014, Foto: Arne Thaysen
"Sorry" © Monster Truck
Dan Rakgoathe, Council of Solace, 1973, Sammlung Weltkulturen Museum, Frankfurt am Main (Ausschnitt)
Abdoulaye Konaté Coffee Beans – Container, 2015 Stoff, 345x249 © Abdoulaye Konaté
„Afropean Mimicry & Mockery in Theatre, Performance & Visual Arts“ - Steven Cohen & Manuel Vason Collaboration / La Rochelle (c) Steven Cohen / Manuel Vason
Historische Kolonialpostwertzeichen © Jürgen Fehrmann
"Dutchman" von Bernard Akoi-Jackson
"Political Bodies" - Tanz- und Musikprojekt mit den besten Bboys & Rappern der Hip-Hop Szene Senegals. Inspiriert von der politischen Bewegung "Y'en a Marre" trifft Breakdance und Rap auf Revolte. Foto: Siaka Soppo Traoré
Elise Fitte-Duval, La lutte traditionell, 2009
Ingrid Mwangi / Robert Hutter,  Dandora’s Box, 2012 c-print, 80 x 194 cm

TURN

Fonds für künstlerische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern

Mit dem im Jahr 2012 initiierten Programm TURN – Fonds für künstlerische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern möchte die Kulturstiftung des Bundes möglichst viele unterschiedliche Institutionen in Deutschland anregen, sich mit dem künstlerischen Schaffen und den kulturellen Debatten in afrikanischen Ländern zu beschäftigen.

Deutsche Kultureinrichtungen aller Sparten sind aufgefordert, neue Formen der künstlerischen Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern zu erproben und gemeinsame Kulturprojekte auf den Weg zu bringen. Das Programm soll in erster Linie deutschen Institutionen und Akteuren (Museen, Theaterhäusern, Tanzcompagnien, Kunstvereinen, Komponisten, Schriftstellern, Verlagen u.a.) Anreize bieten, ihr Profil um neue Themen und Arbeitsweisen zu erweitern.

Viele Häuser in Deutschland befassen sich mittlerweile mit den Aktivitäten der hochdynamischen afrikanischen Kunstszenen. Die Auseinandersetzung mit künstlerischen Formensprachen und Debatten in afrikanischen Ländern erweist sich dabei als außergewöhnlich förderlich, um den Blick für die Positionen des Globalen Südens zu schärfen.

Derzeit werden im Fonds TURN 62 Projekte und Recherchen unterstützt. Um auf das anhaltende Interesse an den Kooperationen zu reagieren und die Beschäftigung mit Afrika nachhaltig in den Institutionen zu verankern, hat die Kulturstiftung des Bundes den Fonds bis 2021 verlängert (Ende Projektlaufzeit: April 2020).

Es werden künstlerische Projekte gefördert, die einen innovativen Beitrag zur Beschäftigung mit dem zeitgenössischen künstlerischen Schaffen in afrikanischen Ländern leisten, von hoher künstlerischer Qualität sind und eine öffentliche Wirkung in Deutschland haben. Die Mindestantragssumme pro Projekt beträgt 50.000 Euro, das antragstellende Haus muss sich mit baren Eigenmitteln in Höhe von 20 Prozent der Gesamtkosten beteiligen. Antragsteller/innen aus afrikanischen Ländern bewerben sich gemeinsam mit einem institutionellen Partner in Deutschland.

In der ersten Förderrunde wurden zudem einmalig projektvorbereitende Recherchen unterstützt, aktuell können keine Recherchevorhaben mehr beantragt werden.

Um den inhaltlichen und künstlerischen Austausch zwischen den Projekten zu fördern, organisiert die Kulturstiftung des Bundes eine Reihe von Foren mit Regisseuren, Kuratoren, Choreografen, Schriftstellern, Verlegern, Musikern, Designern und Filmemachern aus den geförderten Projekten sowie weiteren internationalen Experten.

Jury

In die Jury des Fonds TURN wurden berufen:

Sandro Lunin, Zürich: Nach verschiedenen Stationen u.a. im Theater am Neumarkt sowie als Co-Leiter des Schlachthaus Theater Bern ist Lunin seit 2008 künstlerischer Leiter des internationalen Festivals Zürcher Theater Spektakel mit zahlreichen Koproduktionen und Gastspielen. Sandro Lunin ist ein profunder Kenner der europäischen Theaterszene sowie des Theater- und Tanzschaffens in Subsahara-Afrika und im Nahen Osten.

Elke aus dem Moore, Stuttgart: Elke aus dem Moore leitet seit 2008 die Abteilung Kunst des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen und ist verantwortlich für das internationale Ausstellungs- und Förderprogramm. Zuvor war sie künstlerische Leiterin des Künstlerhauses Stuttgart und Kuratorin an der Shedhalle in Zürich. Sie etablierte die künstlerische Plattform Prêt-à-partager zu Kunst, Mode und öffentlichem Raum in verschiedenen afrikanischen Städten und initiierte als Herausgeberin das Online-Magazin 'Contemporary and' zu zeitgenössischer Kunst aus afrikanischen Perspektiven.

Nana Oforiatta Ayim, Accra/London: Autorin, Regisseurin und Kunsthistorikerin mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst aus Afrika. Ihre Arbeiten wurden u.a. im New Museum/New York, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst/Berlin und dem Museum of African Diaspora/San Francisco präsentiert. Veröffentlichungen u.a. in frieze, Kaleidoscope, Arise, The National Geographic, The Statesman und African Metropolitan Architecture. Sie kuratierte Ausstellungen und Veranstaltungen u.a. für die Liverpool Biennial, das British Museum, die Royal Festival Hall und das Victoria and Albert Museum.

Jay Rutledge, München: Ethnologe, Musikjournalist, Produzent, DJ und Kurator. Jay Rutledge ist seit 1996 hauptberuflich als freier Journalist vor allem für den Bayerischen Rundfunk tätig. Sein Interesse gilt der urbanen Musikkultur Afrikas. Er war u.a. Kurator des 'Urban Africa' Musikprogramms auf der Ars Electronica 2002 in Linz. Seit 2004 betreibt er ein Label, das Popmusik aus den Metropolen Afrikas vorstellt. Zuletzt produzierte er u.a. das Grammy nominierte Album ‚I speak fula‘ des Musikers Bassekou Kouyate aus Mali. Zurzeit moderiert er im Bayern 2 Radio die Sendungen 'Breitengrad' und 'Nachtmix'.

Die Mitglieder der Jury sprachen sich in ihrer ersten Sitzung im April 2013 dafür aus, dass 12 Projekte Fördergelder in einer Gesamthöhe von 1,4 Mio Euro erhalten. Der Vorstand der Kulturstiftung entschied weiterhin, elf Recherchevorhaben mit Fördergeldern in einer Höhe von 88.570 Euro zu unterstützen.

In der zweiten Förderrunde des Fonds TURN entschied sich die Jury für eine Förderung von 14 Projekten mit einer Fördersumme von insgesamt rund 1.787.000 Euro. Bei der Jurysitzung im März 2015 wurde die Förderung von 15 weiteren Projekten mit einer Fördersumme von insgesamt 2.084.800 Euro bewilligt.

Bis 2019 stellt die Kulturstiftung weitere 4 Mio. Euro bereit. Die Gesamtfördersumme beträgt damit 10,4 Mio. Euro und erlaubt die Durchführung von zwei weiteren Antragsrunden in den Jahren 2015 und 2016 sowie die Fortführung projektbegleitender Foren.

Foren

TURN Meeting #2

Das TURN Meeting #2 fand vom 2. - 4. Juni 2016 statt. Nähere Informationen dazu finden Sie demnächst hier.

TURN Meeting #1

Das TURN Meeting #1 On perspectives, Facts and Fictions vom 26. bis 28. Juni 2014 in Berlin war eine nichtöffentliche Arbeitskonferenz für alle Teilnehmer im Fonds TURN. Mit dem "TURN Meeting #1" wurde der Austausch zwischen den Institutionen über inhaltliche und methodische Fragen aus ihren Projekten befördert und Einblicke in die Debatten und Themen der Kolleg/innen vom Kontinent ermöglicht. Auf dem Programm standen Roundtable-Diskussionen u.a. zu folgenden Themen und Fragen:

- Kampfzone Repräsentation – Wie über Afrika schreiben / sprechen / diskutieren?
- Kuratieren und Kooperieren in asymmetrischen Verhältnissen, Künstlerische Kooperationen – ästhetischer Zugewinn oder künstlerische Sackgasse?
- Wer braucht Archive – Geschichte schaffen und behalten
- Das neue Wir – Formen und Kulturen des Kooperierens
- Nachahmung und Verspottung – Über afroeuropäische Begegnungen
- Risiken eingehen. Zur Rolle des Risikos in der künstlerischen Arbeit

Ausgewählte Vorträge der Konferenz "TURN Meeting #1" können Sie hier in englischer bzw. französischer Sprache nachlesen:

Martin Ambara
"Black Cameroon, white Cameroon!"
"Cameroun noir, Cameroun blanc!"

Fabian Lettow
"For a theatre of contemporaneity"

Sean O’Toole
"Some notes on being a writer from Africa"


Roundtable Pre-Writing History: Past/Future

Am 27. Juni 2014 fand in Berlin ein öffentlicher Roundtable statt, zu dem das TURN Meeting #1 gemeinsam mit dem Ausstellungsprojekt "Giving Contours to Shadows" eingeladen hatte:

Teleologische Vorstellungen der Zeit, wie sie das Projekt der Aufklärung vorschrieb, diktieren uns, dass wir Ideale, Ideen und eine konkrete Vorstellung davon haben, wie die Zukunft sein soll (Elisio Macamo in seinem Essay Accommodating Time – Confidence and Trust in African Everyday Life). Ereignisse, die tatsächlich stattgefunden haben, lassen sich nicht ändern. Aber die Geschichte kann mit neuen Informationen, mit einer neuen Perspektive anders erzählt und geschrieben werden. Eine rückwärts gewandte Perspektive ist nicht befriedigend für die Gegenwart, doch sie ist aufschlussreich, da sie uns lehrt, die Idee der Zukunft nochmals sorgfältig zu überdenken. Können wir die zukünftige Geschichte vor-schreiben? Können wir schreiben, wie wir sie haben wollen? Gibt es zwischen dem Idealismus und dem Realismus einen möglichen Verhandlungsraum, in dem eine zukünftige Geschichte vor-geschrieben werden kann?

Im Kontext Afrikas ist der Begriff „post“ ein sehr wichtiges Wort, das automatisch eine Verbindung mit der Vergangenheit herstellt. Gibt es mögliche Denkweisen, bei denen das Präfix „post“ nicht mehr benötigt wird? Was wäre, wenn wir jenseits der Geschichte agierten, wie ließe sich eine Zukunft imaginieren?

Teilnehmer/innen: Premesh Lalu (Prof. Geschichte, Direktor Centre for Humanities Research, University of the Western Cape, Kapstadt), Elvira Dyangane Ose (Kuratorin, Tate Modern, London), Greg Tate (Schriftsteller, Musiker, New York), Jimmy Ogonga (Künstler, Nairobi). Moderation: Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Kurator, Direktor SAVVY Contemporary, Berlin)

Im Anschluss: Performance "Black Mass" im Heimathafen Neukölln, Künstler/innen: Satch Hoyt, Greg Tate, Christina Wheeler