6,57 Mio. Euro für neue Projekte der Kulturstiftung des Bundes

10.07.2017 - Pressemitteilung der Kulturstiftung des Bundes

In seiner jüngsten Sitzung am 7. Juli 2017 verabschiedete der Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes unter Vorsitz von Staatsministerin Monika Grütters neue Vorhaben im Umfang von 6,57 Mio. Euro.

Im Rahmen des Programms Museum Global, an dem sich bisher das K21 in Düsseldorf, der Hamburger Bahnhof in Berlin und das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt/M. beteiligen, wird nun auch das Lenbachhaus München, das für seine weltweit größte Sammlung zur Kunst des Blauen Reiter einen international herausragenden Ruf genießt, das Potenzial jener Künstlergruppe aus einer globalen Perspektive und im Kontext weltweit agierender Künstlergruppierungen der Moderne untersuchen und unter dem Arbeitstitel Gruppendynamik – Die Sammlung Blauer Reiter und Künstlerkollektive der Moderne im globalen Kontext eine neue Sammlungsausstellung vorbereiten, die 2021 eröffnet werden soll. Dafür stellt die Kulturstiftung des Bundes ebenfalls 800.000 Euro zur Verfügung.

Anlässlich des 200. Geburtstags des Schriftstellers Theodor Fontane im Jahr 2019, einem der wichtigsten Vertreter des Realismus in Europa, soll im Brandenburgischen Neuruppin, Fontanes Geburtsort, die zentrale Ausstellung des Jubiläumsjahres präsentiert werden. Kuratiert von Prof. Dr. Heike Gfrereis, die sich mit außergewöhnlichen Literaturausstellungen vor allem im Literaturarchiv Marbach einen Namen machte, wird die biografisch ausgerichtete Ausstellung fontane.200/Autor im Museum Neuruppin Fontane aus moderner Perspektive zeigen: als Wortsampler, Schreibdenker und Textprogrammierer. Dafür stehen seitens der Kulturstiftung des Bundes 770.000 Euro zur Verfügung. Zusätzlich übernimmt sie Kosten in Höhe von 300.000 Euro für ein Vermittlungsprogramm fontane.200/Word&Play!, das unter anderem Game-Workshops für Jugendliche zur Entwicklung von Computerspielen im thematischen Zusammenhang der Ausstellung vorsieht.

Die Wahl für den Austragungsort des nächsten Tanzkongresses, einer der Kulturellen Leuchttürme der Kulturstiftung des Bundes, fiel auf Dresden. Vom 5. bis 9. Juni 2019 wird der Tanzkongress in HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden stattfinden. Damit kehrt der alle drei Jahre ausgerichtete Kongress in seiner fünften Ausgabe an einen seiner einflussreichsten Ursprungsorte zurück: Das Festspielhaus Hellerau wurde als Laboratorium der Moderne für die zeitgenössischen Künste gegründet, hier begann Mary Wigman ihre Ausbildung zur Tänzerin. Gret Palucca, ihre berühmteste Schülerin, gründete in Dresden 1925 ihre eigene Tanzschule. Beide waren an den historischen Tänzerkongressen beteiligt. Nicht nur der historische Ort und die Jubiläumszahl lassen etwas Besonderes erwarten, sondern auch die einmalige Berufung von Meg Stuart, einer der weltweit renommiertesten Choreografinnen, zur künstlerischen Leiterin des Tanzkongresses 2019. In der Vergangenheit hatten Sabine Gehm und Katharina von Wilcke den Tanzkongress in vier Ausgaben erfolgreich als ein Großereignis der Tanzszene etabliert.

In der antragsgebundenen Allgemeinen Projektförderung empfahl die Jury 31 Projekte mit einer Gesamtförderung von 4,7 Mio. Euro, darunter

eine Doppelausstellung im Kunstmuseum Krefeld, die einen neuen Blick auf das Erbe des Bauhaus mit zwei Positionen aus dem ehemaligen Jugoslawien wirft: die der Künstlergruppe EXAT 51, die in den 50er Jahren aktiv war, und der 1979 in Ljubljana geborenen Künstlerin Jasmina Cibic. – – – Die literarische Figur des Flaneurs bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung „Das Auge der Stadt“ im Kunstmuseum Bonn. – – – Das Schauspiel Köln und die Tanzkompanie Richard Siegal/Ballet of Difference beginnen eine spielzeitübergreifende künstlerische Kooperation. Ausgangsmaterial für das Projekt werden Reden und Statements von Politikern sein. – – – Das Literaturhaus Berlin erinnert mit der Ausstellung „Der Schweizer Hermann Hesse und das ‚Dritte Reich‘“ an dessen literarisches, politisches und gesellschaftliches Wirken von Anfang der 1930er bis Mitte der 1950er Jahre. – – – Mit dem Projekt „Queering Holocaust History“ würdigt das Schwule Museum* den Widerstand schwuler Männer und geschlechtlich oder sexuell transgressiver Menschen, der in der Erinnerungskultur des Holocaust lange marginalisiert wurde. – – – Zehn Jahre nach dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise untersucht die Kunsthalle Mannheim in einer zweiteiligen Überblicksschau „Die Konstruktion der Welt“ die Auseinandersetzung der Kunst mit der Ökonomie. Thematische Schwerpunkte sind die Industrialisierung, das Verhältnis von Mensch und Maschine sowie der Wandel des Arbeitsbegriffs. – – – Der Musik der Jahrhunderte Stuttgart e.V. und die Münchner Biennale für neues Musiktheater beauftragen fünf internationale Künstlerteams, den Begriff der Privatheit musiktheatralisch zu untersuchen und experimentelle „Privatopern“ zu entwickeln. – – – Das Theater Rampe in Stuttgart hinterfragt mit der partizipativen Produktion „The European House of Gambling“ die gegenwärtige Einstellung zu Besitz und Kapital. – – – „African Mobilities“ ist der Titel einer Ausstellung im Architekturmuseum der TU München zur zeitgenössischen Architektur in den schnell wachsenden afrikanischen Städten im Kontext von Migration, Vertreibung und digitalen Technologien. – – – „Schwarze Löcher“ ist eine der ersten Ausstellungen im fertiggestellten Neubau des Historischen Museums Frankfurt. Die Schau rückt das Vergessen als einen Aspekt des Gedächtnisses in den Fokus. – – – Die neue Orgel der Gemeinde St. Martin in Kassel ist eines der weltweit größten und modernsten Instrumente zur Realisierung Neuer Musik. Als sogenannte „Hyper Organ“ ermöglicht sie die Aufführung eines breiten Spektrums an klassischer und zeitgenössischer Musik. Die Kulturplattform St. Martin e.V. feiert mit dem Orgelfestival 2017 die Einweihung dieses außergewöhnlichen Instruments. – – – Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden präsentiert mit „Pflanzen. Eine andere Natur“ eine Ausstellung, die die Rolle des Menschen als Wandler und Gestalter der Biosphäre hinterfragt. – – – Die Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig zeichnet mit ihrem Projekt „Gaudiopolis. Attempts at a Joyful Society” die Geschichte der Kinderrepublik Gaudiopolis nach, die im Budapest des Jahres 1945 gegründet wurde. Anhand künstlerischer Arbeiten soll die Idee des demokratischen Zusammenlebens modellhaft abgebildet und diskutiert werden. – – – Das Theater Bremen gibt mit dem mehrtägigen Festival „New Greek Wave“ einen Einblick in die junge griechische Theaterszene.

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